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Industrial-Gewitter
Wenn der Bandname Icon Of Coil fällt,
bekommt manches Electro-Girlie einen
verträumten Gesichtsausdruck
und mehr als nur Frühlingsgefühle.
Der lecker anzusehende Sänger
Andy LaPlegua ist neben der eingängigen,
harmonischen Electro-Mucke der Hauptgrund
für dieses Verhalten. Richtig
böse scheint der Knabe außerdem
nicht zu sein, oder?
Doch.
Und wie! Mit Combichrist hat er ein
Projekt am Start, das nicht einfach
den Charakter einer untergeordneten
Nebenbeschäftigung hat, sondern
längst sein Top-Priority-Ding
ist und direkt aus der Hölle
zu kommen scheint. Die Mischung aus
harschem Noise, TBM, krassen Texten
im Befehlston und abgedrehten Sprachsamples
muss im Fegefeuer geschmiedet worden
sein. Ansonsten könnte die als
Rampensau bekannte Szene-Ikone nicht
einer Liga mit den Top-Acts spielen.
„Ganz so war es dann doch nicht.
Der Teufel hat mit der Musik nichts
zu tun“, findet Andy lachend.
„Combichrist ist für mich
einfach die Möglichkeit mich
musikalisch gehen zu lassen. Ich kann
genau das machen, wozu ich Lust habe.
Combichrist ist elektronischer als
alles andere mit dem ich mich sonst
beschäftige, obwohl der Sound
sehr harsch ausfällt.“
Das ist noch relativ stark untertrieben.
Das
Debütalbum „The Joy Of
Gunz“ von 2003 war bereits waffenscheinpflichtig
und „The Line To The Dead“
oder das an Suicide Commando erinnernde
„Intruder Alert“ großkalibrige
Industrial-/EBM-Geschosse. Die Krönung
des Härterausches erfolgte indes
mit „Vater Unser“, das
mit brachialer, monotoner Gewalt aus
den Boxen fetzt. Neben der hohen BPM-Zahl
tut der Gebetssprachsample sein übriges,
um nachhaltig im Gedächtnis zu
bleiben. Trotz der kirchlichen Anspielungen
hat der norwegische Klangtüftler
mit Religion nicht viel am Hut. „Ich
bin überhaupt kein religiöser
Mensch. Wir haben einmal daran geglaubt,
dass die Erde eine Scheibe ist. Also
warum sollten wir an Gott glauben,
obwohl wir wissen, dass es ihn mit
Sicherheit nicht gibt. Jeder, der
seinen Verstand für zwei Sekunden
gebraucht, wird diese Tatsache akzeptieren.
Wenn Menschen Schutz hinter leeren
Worten und unwahren Versprechungen
finden, ist das ihre Sache. Ich für
meinen Teil halte davon gar nichts.
Falls ich aber Unrecht haben sollte
und ich nach meinem Tod feststellen
muss, dass es ihn doch gibt, werde
ich Gott mal erzählen, was für
eine Scheiße hier unten abgeht“,
verkündet LaPlegua zornig. Der
Bandname ist vor diesem Hintergrund
nicht als Preisung des Herren zu verstehen.
„Jeder Mensch sollte sich auf
seine eigene Stärken besinnen
und nicht hoffen, dass irgend ein
Gott ihm hilft.“ Was die Musik
von Combichrist betrifft, setzt Andy
LaPlegua lieber auf sein eigenes Können.
Nach
dem ebenfalls oberheftigen Halloween-Inferno,
"Kiss The Blade", wurde
es für LaPlegua Zeit, zu neuen
Ufern aufzubrechen, denn Stillstand
bedeutet Langeweile... und Langeweile
und Combichrist passen einfach nicht
zusammen. Schon lange ein mehr als
nur guter Freund der Techno-Szene,
übermannte ihn der Gedanke, dass
sein durchgeknallter Industrial-Sound
in Kombination mit der ungezügelten
Tanzenergie des Techno doch umso mehr
knallen würde. Das Ergebnis konnte
man auf der EP "Sex, Drogen und
Industrial" bewundern, auf welcher
noch einmal heftig an der Beat-Schraube
gedreht wurde. Wenn in der Hölle
Musik aufgelegt würde, wäre
Combichrist der ideale Soundtrack
dazu. Kurz danach holte LaPlegua zum
alles vernichtenden Doppelschlag aus
- "Everybody Hates You"
wurde als janusköpfiges Electro-Gewitter
auf die Menschheit losgelassen. CD1
bot ein Techno-Body-Music-Inferno,
das sich gewaschen hatte, während
CD2 mit Horror-Chillout-Tracks eine
weitere Seite des musikalischen Tausendsassas
Andy LaPlegua offenbarte. This shit
will will fuck you up? You bet, baby!
Mit
dem aktuellen Doppelschlag „What
The F**k Is Wrong With You People“,
der die fleischfressende Mischung
aus Noise und TBM weiter verfeinert,
führt Combichrist seinen Eroberungsfeldzug
über den Globus weiter fort...
und längst stehen nicht mehr
nur die Mädchen in der ersten
Reihe, sondern alle feiern zusammen
den fröhlichen Exzess. Die Combichrist
Army wächst ... und es ist nur
eine Frage der Zeit, bis sie auch
DICH bekommen. This is fucking Electro-madness
... and we love it!
Line-Up:
Andy LaPlegua (Programmierung, Gesang)
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