Es
hat mittlerweile schon Tradition,
dass wir zum nahenden Jahresende
eine erlesene Auswahl unserer besten
Bands auf Tour schicken. Auf das
Line-Up der diesjährigen Tour
waren wir ganz besonders stolz,
hatte es mit Auto-Auto, Amduscia,
Ashbury Heights und Agonoize nicht
nur eine enorme stilistische Bandbreite
hochklassiger elektronischer Musik
– von melodiös bis brachial
- zu bieten, sondern mit Die Form
einen absoluten Kult-Act als Headliner,
der bereits seit drei Dekaden auf
höchst eindrucksvolle Weise
Musik, visuelle Kunst und Performance
zu einem Gesamtkunstwerk verbindet.
Von bedingungsloser Party bis hin
zu der anspruchsvollen Kombination
aus Kunst und Club-Kultur war also
alles vertreten, was die Electro-Szene
zur wohl spannendsten Musikkultur
auf diesem Planeten macht..
(Auto Auto- Photo
by www.Art-in-Black.com)
Das
junge schwedische Duo Auto-Auto
eröffnete die Shows mit jeder
Menge Schwung und einer ganz und
gar eigenständigen Mischung
aus Club-Sounds, Electro-Pop und
dem Mut zum augenzwinkernden Experiment.
Mit eingängigen Hymnen wie
„Do You Need Some Space?“
oder „Shadowlands“ meisterten
sie die meistens recht undankbare
Rolle des Openers mit Bravour und
schafften es erstaunlich schnell,
die jeweiligen Auftrittsorte zum
Mitgehen zu bewegen. Eine sympathische
Bühnenpräsenz, viel Humor
und satte Beats taten ein Übriges,
um die Saaltemperatur ziemlich schnell
ansteigen zu lassen.
(Amduscia
- Photo by www.Art-in-Black.com)
Danach gab es ein ziemliches Kontrastprogramm
aus Mexiko: Amduscia verzichteten
auf ellenlange Intros und ähnliche
Sperenzchen, sondern gingen gleich
in die Vollen mit abgrundtiefen
Bässen, viel Trance und Beats,
Beats, Beats! Das verrückte
Trio mit Front-Cyborg Polo bot eine
aggressive und schweißtreibende
Show und sorgte für ordentlich
Bewegung in der zahlenmäßig
gut vertretenen Hardfloor-Fraktion.
Das Set verging wie im Flug und
ließ ein gut angeheiztes Publikum
zurück.
(Ashbury
Heights - Photo by www.Art-in-Black.com)
Ashbury Heights hatten nach zwei
qualitativ so hochwertigen Vorgängern
dann ein leichtes Spiel, die Stimmung
am Kochen zu halten. Im letzten
Jahr noch als Top-Newcomer gehandelt,
waren die jungen Schweden in diesem
Jahr auf vielfachen Wunsch wieder
mit dabei und trafen auf ein dementsprechend
begeistertes Publikum. Anders und
Yaz zeigten mit großer Pose,
viel Publikumsinteraktion und eingängigen
Hit-Songs, wie man einen Club von
der ersten Sekunde an in seinen
Bann zieht. Mit sichtlich guter
Laune spielten sich die beiden und
ihr Keyboarder-Neuzugang durch ein
kurzweiliges Set der besten Stücke
aus ihrem neuen Mini-Album „Morningstar
In A Black Car“ und dem Debüt-Album
„Three Cheers For The Newlydeads“.
Die Konzerte
waren ganz großes
Kino!
(Agonoize-
Photo by www.Art-in-Black.com)
Kurz darauf folgte eine Gruppe,
auf die sich ein Großteil
des Publikums ganz besonders gefreut
hatte, und die für ihre wilden,
Blut-triefenden und nicht immer
ganz jugendfreien Bühnenshows
berühmt und berüchtigt
ist: Agonoize! Mit psychopathischer
Hannibal-Lecter-Pose samt optisch
wirkungsvollem Maulkorb warf sich
Sänger Chris L. in den ersten
Song, während Mike und Olli
mit süffisantem Grinsen ihre
Keyboards traktierten und im Saal
gab es, erwartungsgemäß,
kein Halten mehr. Auch ihrem Hang
zur extrovertierten Performance
machten die bösen Buben aus
Berlin alle Ehre, und so schnitt
sich Chris gleich im zweiten Stück
nicht nur in seine Seele, sondern
auch mit einem großen Messer
die virtuelle Pulsader auf, woraufhin
das Kunstblut Fontänen-weise
ins Publikum schoss. Das Set war
eine gute Mischung aus alt und neu
und wurde um eine brachiale Coverversion
des Beastie-Boys-Klassikers „Fight
For Your Right“ ergänzt,
bei der die drei Berliner wieder
einmal ihren verschmitzten Sinn
für Humor bewiesen. Auch die
Über-Hits „Schaufensterpuppenarsch“
und „Koprolalie“ durften
natürlich nicht fehlen, wobei
Chris bei Letzterem mit sichtlichem
Spaß großzügige
Dosen Kunstejakulat im Publikum
verteilte. Das Publikum belohnte
die Band mit tosendem Applaus und
feierte eine bedingungslose Party..
(Die
Form- Photo by www.Art-in-Black.com)
Die
etwas längere Umbaupause, bei
der unter anderem ein Bauzaun vor
die gesamte Länge der Bühne
gezogen wurde, gab dem Publikum
Zeit für eine dringend nötige
Erholung und ließ schon Besonderes
erwarten. Mit minimalistischem Licht,
einer kunstvollen Videoshow und
einem beeindruckenden Ausdruckstanz
eröffnete das französische
Ausnahme-Projekt die Form sein Konzert
und zog das Publikum sogleich in
seinen Bann. Zu den charakteristischen
Rhythmen des Club-Klassikers „Bite
Of God“ enterte Éliane
P. die Bühne, ganz in rotes
Licht getaucht, und sorgte mit ihrem
charakteristischen, glockenklaren
Gesang, der live noch um einiges
intensiver wirkte, für Gänsehaut-Momente,
während Philippe Fichot, sein
Gesicht hinter einer Maske versteckt,
an seinen vielschichtigen Soundkonstrukten
schraubte. Die Form verbanden dabei
auf höchst eindrucksvolle Weise
Club-Sounds und experimentelle Klänge
mit einer stimmigen multimedialen
Fetisch-Tanzperformance zu einem
Gesamtkunstwerk, das weit über
ein gewöhnliches Konzerterlebnis
hinausging und das Publikum zwischen
gebanntem Zuhören und enthemmter
Tanzstimmung hin und her riss. Das
Konzert lieferte den krönenden
Abschluss zu einem gelungenen Abend
… und entließ die Leute
mit dem Gefühl, einem ganz
besonderen Ereignis beigewohnt zu
haben, zurück in die Nacht.
Wir bedanken uns bei allen Bands,
den Veranstaltern, den Clubs und
vor allem auch dem tollen Publikum
für eine gelungene Tour und
ein paar wirklich beeindruckende
Abende. Den zufriedenen Gesichtern
nach zu urteilen hat es Euch genauso
viel Spaß gemacht wie uns…
wir sehen uns im nächsten Jahr!
(Danke an www.Art-in-Black.com
für die Bereitstellung der
Fotos!)